Ein schaurig schöner Samstag

20130630-202147.jpgGestern ging es für mich das erste Mal seit locker 15 Jahren zum Zirkus. Vor ein paar Jahren war ich zwar im Cirque du Soleil, aber das ist ja eine Klasse für sich. Doch auch gestern war es nicht irgendein Zirkus, sondern der Horror Circus. Mit dem Motto „Er will doch nur spielen“ zieht die Truppe aktuell durch Deutschland.
Ich liebe Horror und so war für eine Freundin und mich klar: da müssen wir hin. Ich bin ganz ehrlich, ich hatte keine besonderen Erwartungen an den Abend. Ich wollte einfach ein bisschen Spaß haben und mit dieser Einstellung wurde ich auch nicht enttäuscht.
Ich denke, dass jemand der den Horror Circus besucht und atemberaubende Kunststücke erwartet ein wenig enttäuscht werden kann. Doch hier geht es eben nicht nur um die Kunststücke, sondern um die Show drumherum.
Das Ganze ging schon während des Einlasses los. Immer wieder streiften verschiedenste Zombies an den Gästen vorbei, schlugen Metallketten um sich, zogen Motorsägen hinter sich her und erschreckten diejenigen, die sie nicht bemerkten. Im Vorzelt erklang also immer mal wieder Kreischen. Da wir das alles eher amüsiert beobachteten und die Zombies einfach angrinsten, waren für für sie nicht wirklich interessant.
Doch auch wir kamen zu unserem Gänsehautmoment. Durch den Einlass ging es nur in kleinen Grüppchen, damit es in dem Durchgang zum Hauptzelt nicht zu voll wird. Voll war es mit den Clowns, Teufeln und Zombies dort ja auch schon genug. Den ersten Erschreckern begegnete ich noch immer mit einem breiten Grinsen, doch je weiter es Richtung Hauptzelt ging, desto dunkler wurde es. Irgendwann konnte ich dann auch gar nichts mehr erkennen, so dass mir der eine oder andere Schauer über den Rücken lief, wenn mir irgendwelche knochigen Hände oder spitzen Krallen in den Nacken fassten.
20130630-202135.jpgAn unseren Plätzen angekommen, ging es dann auch bald los mit der Vorführung, moderiert von Belzebub persönlich. Mit meinem Platz direkt am Gang wurde ich ein wenig paranoid, denn wir hatten zuvor mehrere Begegnungen mit einem blau angelaufenen Zombiechirurg gehabt und erwarteten fast, dass er irgendwann noch einmal versuchen würde uns zu erschrecken. (Schonmal vorweg: Kurz vor Ende der Show versuchte er es auch wirklich nochmal. Doch wir hatten ihn vorher gesehen und so war die Gummihand in meinem Nacken kein allzu großer Schock.)
Was die Kunststücke betrifft, war alles dabei, was man so von einem Zirkusbesuch erwartet: eine Seiltänzerin, ein Clown, Jongleure, ein Feuerspucker, etc. Wie gesagt, die artistischen Leistungen waren nett und unterhaltsam, aber eben auch nicht mehr. Wie die NOZ aber schrieb: „Die Darbietungen des Artisten mit denen anderer Akrobaten, wie etwa des Circus Roncalli, zu vergleichen, wäre nicht angemessen.“
Zwei der Nummern blieben dann aber doch besonders in Erinnerung, eine negativ und eine positiv.
Crazy White Sean betrat die Manege gleich zweimal. Scheinbar schmerzunempfindlich betrieb er so einiges an Selbstverletzung. Bei der ersten Runde ging das auch alles noch. Als in der zweiten Runde dann aber Nägel in die Nase gehauen und große Spritzen durch verschiedene Körperpartien gestoßen wurden, stieg zumindest bei mir der Ekelfaktor doch über die Schmerzgrenze, so dass ich nicht mehr hinschauen konnte. (Das mag auch ein wenig mit an meinem momentan ohnehin empfindlichen Magen gelegen haben.)
Ganz zum Schluss führten dann noch zwei Artisten Kunststücke am Todesrad vor. Kunststücke ohne Sicherung und knapp unter dem Zeltdach an sich sind ja schon beeindruckend. Wenn das Ganze dann aber nich auf einem sich bewegenden Rad vollzogen wird, ist das echt Wow.
Mit diesem Eindruck ging es dann auch hinaus. Im Vorzelt warteten dann auch schon wieder die Erschrecker samt einiger der Artisten. Nur hatten sie nun die durchdringenden, ernsten Blicke gegen Lächeln und ihre Werkzeuge durch Zigaretten und Bierflaschen getauscht.
Da ich so ewig nicht im Zirkus war, fand ich die Vorstellung an sich ganz gut, auch wenn es nicht unbedingt das Beste vom Beste war. Doch da es mir von Anfang an vor allem um das Drumherum ging, wurde ich nicht enttäuscht und hatte einen schönen Samstag Abend.

Danke vor allem an Sanne für die Idee und für die Fotos!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s