Was der 3. Oktober für mich bedeutet

Ich gehöre zum Jahrgang 1987. Man könnte meinen, dass die Wiedervereinigung für mich keine sonderlich große Bedeutung mehr haben kann. Schließlich kann ich mich nicht daran erinnern, wie es war in einem geteilten Deutschland zu leben. Ich kann es mir auch nicht wirklich vorstellen. So, wie meine Eltern sich nicht vorstellen konnten in einem ungeteilten Deutschland zu leben, als sie in meinem Alter waren.
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Und doch gehören Mauerfall und Wiedervereinigung zu den bedeutendsten Ereignissen in meinem Leben.

Sie sind wohlmöglich sogar die bedeutendsten überhaupt. Es steht nämlich fest, dass ich ohne den Mauerfall jetzt nicht dort wäre wo ich bin. (Beim Schreiben dieser Worte direkt übrigens irgendwo auf der A2 kurz hinter Bielefeld.)
Ich glaube, dass meine Kindheit und Jugend ohne Wiedervereinigung nicht so viel anders verlaufen wäre als mit ihr. Das Einzige, was es nicht gegeben hätte, wären die Reisen nach Dänemark, Italien, Kanada und in die USA gewesen. Doch die Werte und Vorstellungen, die ich von meiner Familie mitbekommen habe, wären doch die gleichen gewesen. Vielleicht etwas beeinflusst durch die FDJ.
Bis zum Abitur wäre vieles ähnlich gewesen und da ich es nicht anders gekannt hätte, hätte ich auch nichts vermisst. Die Chancen, dass der Studienort und die Studienrichtung gleich geblieben wären, stehen auch gut. Vielleicht wäre es dann Anglistik statt Amerikanistik gewesen. Vielleicht auch Germanistik, aber auch dies in Leipzig. Doch mein Abschluss wäre ein anderer gewesen. Nichts von wegen Bachelor und Master. Ohne die Wiedervereinigung hätten die Chancen gut gestanden, dass ich Lehrerin werde. Wahrscheinlich würde ich dann jetzt irgendwo in meiner Heimat Englisch oder Deutsch und Musik unterrichten.
Stattdessen lebe ich in Osnabrück und mache was mit diesem Internet. Und das ist der Punkt, an dem die Wiedervereinigung für mich so bedeuten wird. Ohne hätte ich nicht in den Westen gekonnt, um dort zu arbeiten. Entsprechend hätte ich Menschen, die heute einen festen Platz in meinem Leben haben, nie kennengelernt. Ein Gedanke, den ich gar nicht weiter vertiefen möchte, denn diese Menschen möchte ich nicht mehr missen.
Ohne den Mauerfall und die Wiedervereinigung wäre ich heute nicht dort wo ich bin. Dieser 3. Oktober ist dafür auch das beste Beispiel. Mal davon abgesehen, dass es sonst kein Feiertag wäre, wäre ich ohne gerade nicht mit meiner Mama auf dem Weg nach Köln, um heute Abend mit meiner Schwester und meinem Schwager auf ein Pohlmann-Konzert zu gehen.

Dieser Blogeintrag entstand übrigens nach Katjas Facebook-Post zu dem Thema heute morgen. Und wie sie auch, würde es mich interessieren, ob die Wiedervereinigung für euch eine Bedeutung hat und in welcher Form das so ist?

Bild: „Berliner Mauer“ von Heinz Lang (lang.heinz), Flickr.

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