Meine Beziehung zum Schreiben

Seit 24 Wochen habe ich mir selbst einen „Schreibzwang“ auferlegt. Wobei Zwang nicht ganz korrekt ist, denn ich will ja schreiben. Doch irgendeinen Grund es nicht zu tun, finde ich immer – keine. Zeit, keine Idee, keine Lust.

So sieht der aktuelle Stand an Blogeinträgen auch aus. Statt 24 neuen Einträgen, findet man gerade einmal zwölf im Blog. Gut, ohne den Selbstzwang sähe das Verhältnis wahrscheinlich noch schlechter aus. Doch wirklich zufrieden bin ich trotzdem nicht. An den zuvor genannten Gründen liegt es aber eigentlich auch nicht wirklich. Wenn ich ganz ehrlich bin, liegt das Problem eher an meinem Kopf. Um zu erklären, was ich damit meinte, muss ich allerdings ein wenig auf meine Beziehung zum Schreiben zurückblicken.

Das Schreiben und ich

Ich glaube ab dem Punkt ab dem ich das gesamte Alphabet kannte und schreiben konnte, habe ich irgendwie geschrieben. Kleine. Geschichten, die mir in den Sinn kamen und die einfach irgendwie raus mussten. Irgendwann habe ich dann auch FanFiction für mich entdeckt, erst nur als Leser, später dann auch als Autor.

Zwischen 14 und 18 Jahren verging dann auch kaum ein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein bisschen etwas schrieb. Anfangs nur für mich, irgendwann stellte ich die Texte dann anderen Fans in entsprechenden Foren und Communities zur Verfügung.

Im Studium wurde es dann weniger und wenn ich schrieb war es keine FanFiction mehr sondern eigene Sachen. Doch mit jedem Jahr wurde es weniger bis ich irgendwann eigentlich gar nicht mehr schrieb.

Der Unterschied

Was aber hatte sich verändert? Klar, ist es ein Unterschied, ob man zur Schule geht und bei seinen Eltern wohnt oder studiert und eine eigene Wohnung hat. Die Zeit die man am Tag hat, ist anders verteilt. Doch weniger Zeit zu haben, war eigentlich nur eine Ausrede. Denn wenn ich wirklich Schreiben möchte, dann kann ich mir die Zeit dafür schlichtweg nehmen.

Der Grund für die sinkende Schreibfrequenz war, dass ich das Schreiben und die dazugehörigen Ergebnisse immer mehr mit anderen Augen betrachtete. Als Teenager schrieb ich hauptsächlich für mich. Selbst wenn ich etwas online stellte, war es mir egal, was andere davon hielten. Klar, ich freute mich über Kommentare, wenn sie aber nicht kamen, war es auch in Ordnung. Doch je älter ich wurde, desto mehr dachte ich darüber nach, wie andere es findet würden und welche Makel sie finden würden. Ich schieb nicht mehr für mich, sondern für alle anderen – egal ob es wirklich Leser gab oder ob sie nur ein Gespenst in meinem Kopf waren.

Mein dummer Kopf

Doch genau dadurch habe ich mir selbst ein Bein gestellt. Sobald ich zu viel darüber nachdenke, was andere über mein Geschriebenes sagen könnten, baut sich in meinem Kopf unverzüglich eine Barriere auf. Sie wieder einzureißen gelingt mir nur äußerst selten. Das Ergebnis: viele angefangene, aber nie veröffentlichte Texte.

Doch so geht das nicht weiter. Schließlich möchte ich Schreiben und deswegen muss ich diese Barriere in meinem Kopf überwinden. Gerade zu Beginn wird das nicht einfach werden. Schließlich hat sie sich über etwa acht Jahre immer weiter aufgebaut. Damit mir das gelingt, muss ich also wieder anfangen nur für mich zu schreiben und euch anderen dort draußen einfach zu ignorieren – zumindest beim Schreiben selbst. Ich höre also nicht auf, Blogeinträge online zu stellen. Ich darf nur einfach nicht mehr so viel darüber nachdenken, was ich online stelle und wie es aufgenommen wird.

Also auch wenn der Selbstzwang bis her nicht das ganz gewünschte Ergebnis hatte (jede Woche ein neuer Blogpost), so habe ich doch etwas über meine Beziehung zum Schreiben gelernt. Bleibt zu hoffen, dass damit die erste Hürde genommen ist, damit das Schreiben demnächst wieder ein fester Bestandteil meines Alltags wird.

Bild: CC-BY „moleskin“ von Jochen Handschuh (to01), Flickr.

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